Die spirituelle Seite der Menopause: Ein neuer Abschnitt beginnt

Es gibt Lebensabschnitte, auf die man sich irgendwie vorbereitet. Schulabschluss. Das Heiraten. Vielleicht die Geburt der eigenen Kinder oder der Eintritt ins Berufsleben. Und dann gibt es Veränderungen, bei denen man irgendwann feststellt: «Aha. So wurde mir das aber nicht erklärt.»

So ging es mir mit der Menopause.

Natürlich wusste ich, dass sie irgendwann kommen würde. Ich wusste, dass sich der Körper verändert und dass die Hormone verrücktspielen können. Aber Wissen und Erleben sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Und während ich mich mit all diesen körperlichen und emotionalen Veränderungen auseinandersetzte, bemerkte ich irgendwann noch etwas anderes.

Für mich hatte diese Zeit auch eine spirituelle Seite. Nicht im Sinne von «Alles passiert aus einem bestimmten Grund» oder dass jede Hitzewallung irgendeine geheimnisvolle Botschaft des Universums sein muss. So sehe ich das nicht.

Aber ich habe gemerkt, dass sich etwas in meiner Beziehung zu mir selbst verändert. Und genau darüber möchte ich heute sprechen.

Die Menopause ist nicht nur das Ende der Periode

Über die Menopause wird in den letzen Jahren erstaunlich viel gesprochen und gleichzeitig auch irgendwie nicht.

Wir sprechen über Hitzewallungen, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen und die körperlichen Veränderungen. Das alles gehört natürlich dazu und sollte auch ernst genommen werden. Die Menopause ist eine körperliche Lebensphase und bei starken Beschwerden sollte man sich selbstverständlich medizinische Unterstützung holen.

Aber eine Frau verändert sich in dieser Zeit nicht nur körperlich. Sie steht auch an einer Schwelle.

Ein Lebensabschnitt geht zu Ende und ein anderer beginnt.

Der Gedanke, die Menopause könne auch eine Zeit des persönlichen Wachstums und einer stärkeren Verbindung mit sich selbst sein, findet sich auch in verschiedenen spirituellen Ansätzen. Die Autorin des Beitrags, der mich zu diesem Text inspiriert hat, beschreibt die Wechseljahre beispielsweise als eine Phase, in der alte Themen, Bedürfnisse und Vorstellungen stärker ins Bewusstsein kommen können.

Ich habe plötzlich vieles hinterfragt

Was mir persönlich aufgefallen ist, war nicht nur die Veränderung meines Körpers. Ich habe angefangen, mich zu fragen, was ich eigentlich noch möchte.

Was möchte ich behalten? Was möchte ich nicht mehr?

Welche Erwartungen an mich selbst habe ich eigentlich nur deshalb erfüllt, weil ich dachte, dass man das eben so macht?

Man kommt irgendwann an einen Punkt, an dem man nicht mehr dieselbe Energie dafür aufbringen möchte, es allen recht zu machen. Nicht mehr ständig erklären zu müssen, warum man etwas möchte oder nicht möchte.

Das hat für mich etwas sehr Befreiendes.

Und gleichzeitig kann es ziemlich unbequem sein. Denn wenn man jahrelang bestimmte Rollen erfüllt hat, ist es gar nicht so einfach herauszufinden, wer man eigentlich ist, wenn man diese Rollen nicht mehr genauso ausfüllt.

Eine Zeit, in der die eigene Stimme lauter werden darf

Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb die Menopause in manchen spirituellen Traditionen als Übergang in eine Zeit grösserer Weisheit betrachtet wird. Die Idee dahinter ist nicht, dass eine Frau plötzlich am Tag ihres fünfzigsten Geburtstags alle Antworten auf das Leben besitzt. Schön wärs!

Ich glaube vielmehr, dass die vielen Erfahrungen, die wir bis zu diesem Zeitpunkt gemacht haben, uns verändern.

Wir haben geliebt. Wir haben verloren. Wir sind gescheitert.

Wir haben Dinge geschafft, von denen wir vielleicht selbst nicht gedacht hätten, dass wir sie schaffen.

Wir haben Menschen kennengelernt und wieder verabschiedet.

Wir haben uns verändert.

Und irgendwann dürfen wir vielleicht aufhören, uns dafür zu entschuldigen.

Intuition bekommt einen anderen Stellenwert

Für mich persönlich ist auch die Intuition in dieser Lebensphase interessanter geworden.

Ich glaube nicht, dass wir plötzlich übersinnliche Fähigkeiten bekommen, nur weil wir in die Wechseljahre kommen. Aber ich glaube, dass wir lernen können, unsere innere Stimme ernster zu nehmen.

Wir wissen oft sehr genau, wenn etwas nicht mehr zu uns passt. Wenn etwas unsicher oder gar gefährlich für uns wird. Aber irgendwie sind wir sehr gut darin, dieses Gefühl zu rationalisieren. Uns selbst zu sagen, «übertreib doch nicht» oder «das bilde ich mir nur ein».

Es ist auch einfach, diese innere Stimme zu übergehen, denn es ist ja nicht so, das uns von der Gesellschaft bestätigt oder vorgelebt wird, das dieses innere Gefühl legitim ist.

Und genau während dieser Zeit des Umschwungs während der Menopause kam für mich diese Klarheit: es wird irgendwann einfach zu anstrengend, diese innere Stimme weiterhin zu ignorieren.

Die Frau, die ich werde, muss nicht mehr dieselbe sein

Das ist wahrscheinlich der Teil dieser Veränderung, den ich am stärksten spüre.

Ich muss nicht mehr dieselbe Frau sein, die ich vor zehn, zwanzig oder dreissig Jahren war. Oder, vor zwei Monaten.

Und das ist eigentlich eine wunderschöne Erkenntnis.

Wir sprechen so oft davon, dass wir «jung bleiben» sollen. Dabei finde ich den Gedanken viel schöner, älter werden zu dürfen und gleichzeitig immer mehr bei sich selbst anzukommen.

Die Menopause kann deshalb auch eine Art Einladung sein. Nicht, um eine neue perfekte Version von sich selbst zu erschaffen. Sondern um die Frau kennenzulernen, die bereits da ist.

Mit all ihren Erfahrungen.

Mit ihren Fehlern.

Mit ihren Geschichten.

Mit ihren Stärken und ihren Schwächen.

Und vielleicht auch mit einigen Dingen, die sie früher gerne anders gemacht hätte. Das gehört alles dazu.

Und natürlich darf die Menopause auch einfach schwierig sein

Ich möchte diesen Gedanken aber nicht romantisieren. Diese Zeit ist für viele Frauen echt hart!

Manchmal ist man einfach müde. Oft ist man gereizt. (Kein Wunder bei vernebelten Gedanken und einer gefühlten Körpertemperatur von 65 Grad!)

Manchmal schläft man schlecht und möchte von «neuer Lebensenergie» überhaupt nichts hören.

Und auch das darf sein.

Wir müssen aus jeder schwierigen Lebensphase keine grosse Lektion machen. Es reicht manchmal, sie zu überstehen.

Wenn ich über die spirituelle Seite der Menopause spreche, möchte ich deshalb nicht sagen, dass diese Zeit wunderbar oder einfach sei. Ich möchte nur eine andere Perspektive anbieten.

Auf der anderen Seite ist nicht Leere

Die Menopause ist tatsächlich das Ende eines Lebensabschnitts. Aber ein Ende bedeutet nicht automatisch, dass danach nichts mehr kommt.

Vielleicht bedeutet es nur, dass etwas anderes Platz bekommt.

Mehr Freiheit.

Mehr Selbstbestimmung.

Mehr Zeit für sich.

Mehr Mut, Dinge anders zu machen.

Und vielleicht auch eine Spiritualität, die nicht mehr davon abhängt, was andere Menschen uns erzählen, sondern viel stärker davon, was wir selbst erfahren und woran wir glauben.

Für mich ist das eine der schönsten Seiten dieses Lebensabschnitts. So hart und unangenehm der Prozess manchmal auch war!

Alles Liebe,
Ursula

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