Die Münzen im Tarot: Was sie uns über Arbeit, Sicherheit und unser Leben erzählen
In einem Blogbeitrag vor einigen Wochen, habe ich euch den Unterschied zwischen grossen Arkana und kleinen Arkana im Tarot erklärt. Über die nächsten Wochen, werde ich euch die vier Elemente näherbringen: Stäbe mit dem Element Feuer, Kelche und Wasser, Schwerter und das Element Luft, sowie die Münzen und Erde. Und genau mit diesen starten wir heute: den Münzen!
Und wenn du bei Münzen jetzt sofort an Geld denkst, bist du natürlich nicht falsch. Geld, Besitz und finanzielle Sicherheit gehören tatsächlich zu dieser Farbe. Aber die Münzen erzählen eine viel grössere Geschichte.
Sie beschäftigen sich mit allem, was in unserem Leben konkret und greifbar ist. Arbeit gehört dazu, unser Zuhause, unsere finanzielle Situation, unsere Fähigkeiten, unsere körperliche Welt, Sicherheit, Stabilität und auch die Frage, was wir über längere Zeit aufbauen möchten.
Für mich sind die Münzen deshalb sehr bodenständig. Sie fragen nicht nur: «Was möchtest du?»
Sie fragen auch: «Was machst du tatsächlich dafür?»
Das Element Erde
Erde steht im Tarot für Stabilität, Wachstum, Geduld und die materielle Welt. Sie erinnert uns daran, dass nicht alles sofort passieren muss. Manche Dinge brauchen Zeit, Pflege und regelmässige Aufmerksamkeit, bevor wir überhaupt sehen können, was daraus entsteht.
Das gefällt mir an diesem Element besonders.
Wir leben schliesslich nicht nur in unseren Gedanken und Gefühlen. Wir haben einen Körper, brauchen ein Zuhause, müssen unseren Lebensunterhalt verdienen und verbringen einen grossen Teil unseres Lebens damit, ganz konkrete Dinge zu tun.
Die Münzen bringen uns genau dorthin zurück. Sie können deshalb für Geld und Beruf stehen, aber genauso für Lernen, handwerkliche Fähigkeiten, Selbstständigkeit, körperliche Bedürfnisse, Zuhause, Natur und langfristige Ziele.
Und weil Erde langsam wächst, sind Münzen häufig auch ein Zeichen für Geduld. Oder langsames, aber stetiges, vorankommen.
Ein Samen wird schliesslich nicht schneller zu einer Pflanze, nur weil wir daneben stehen und ihn ungeduldig anschauen. Schön wärs:)
Die 14 Karten der Münzen
Wie die anderen Elemente der Kleinen Arkana bestehen auch die Münzen aus zehn Zahlenkarten und vier Hofkarten.
Jede Karte erzählt dabei einen etwas anderen Teil der Geschichte.
Ass der Münzen
Das Ass der Münzen ist der Anfang.
Es kann für eine neue konkrete Möglichkeit stehen. Eine neue Arbeitsstelle, eine Geschäftsidee, eine finanzielle Gelegenheit oder etwas anderes, das das Potenzial hat, langfristig zu wachsen.
Ich finde das Bild des Samens dafür sehr passend. Wenn dir eine Chance angeboten wird, bedeutet das schliesslich noch lange nicht, dass daraus automatisch Erfolg entsteht. Du musst etwas damit machen.
Das Ass der Münzen kann deshalb die Frage stellen: «Was liegt gerade vor mir, das ich tatsächlich aufbauen könnte?»
Zwei der Münzen
Bei der Zwei der Münzen geht es um Balance.
Vielleicht jonglierst du gerade mehrere Aufgaben gleichzeitig. Arbeit, Familie, Geld, Verpflichtungen und vielleicht noch ein persönliches Projekt nebenbei.
Die Karte kann für Anpassungsfähigkeit und Flexibilität stehen, aber auch dafür, dass wir gerade ziemlich viel gleichzeitig in der Luft halten müssen. Und manchmal funktioniert dieses Jonglieren erstaunlich gut.
Bis irgendwann ein Ball herunterfällt.
Die Zwei der Münzen kann deshalb auch daran erinnern, dass nicht jede Form von Balance dauerhaft funktioniert. Vielleicht muss irgendwann entschieden werden, was wirklich Priorität hat.
Drei der Münzen
Die Drei der Münzen ist eine Karte des Lernens, Zusammenarbeitens und Aufbauens.
Hier geht es darum, Fähigkeiten zu entwickeln und mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Kenntnisse und Talente mit, und gemeinsam kann etwas entstehen, das einer alleine vielleicht nicht hätte schaffen können.
Sie kann deshalb für Ausbildung, berufliche Entwicklung, Teamarbeit oder Anerkennung der eigenen Fähigkeiten stehen. Und sie erinnert uns an etwas, das wir manchmal vergessen:
Niemand ist von Anfang an Meisterin oder Meister seines Fachs. Man darf lernen. Man darf (und wird) Fehler machen!
Vier der Münzen
Die Vier der Münzen ist eine interessante Karte, weil sie sowohl Sicherheit als auch Festhalten bedeuten kann.
Vielleicht möchtest du dein Geld schützen, deine Position sichern oder etwas bewahren, das dir wichtig ist. Das kann vernünftig sein.
Aber manchmal halten wir so krampfhaft an etwas fest, dass wir überhaupt keinen Raum mehr für Neues lassen. Und manchmal sogar eine Beziehung oder eine bestimmte Vorstellung davon, wie unser Leben aussehen sollte. (Wobei dann da eher die Vier der Kelche dafür stehen würde, da die Kelche das Element der Gefühle darstellen!)
Die Frage der Vier der Münzen könnte deshalb lauten: «Schützt du gerade etwas oder hast du Angst, es loszulassen?»
Fünf der Münzen
Die Fünf der Münzen gehört zu den schwierigeren Karten dieses Elements.
Sie kann finanzielle Schwierigkeiten, materielle Unsicherheit, Verlust oder das Gefühl symbolisieren, ausgeschlossen zu sein und alleine mit einer schwierigen Situation dazustehen. Alle 5er Karten stehen immer ein bisschen als Agenten des Chaos da, einfach angewandt, an die Themen des jeweiligen Elements.
Was ich an dieser Karte wichtig finde, ist aber etwas anderes.
In vielen Darstellungen befindet sich irgendwo Hilfe. Das Problem ist nicht unbedingt, dass niemand da wäre. Vielleicht sehen wir die Hilfe nur gerade nicht. Oder wollen sie nicht sehen.
Scham kann beispielsweise dazu führen, dass wir keine Unterstützung annehmen wollen. Wir denken, wir müssten alles alleine schaffen oder dürften niemanden um Hilfe bitten.
Die Fünf der Münzen kann deshalb auch die Frage stellen: «Wo könnte Unterstützung vorhanden sein, die du gerade nicht annimmst?»
Sechs der Münzen
Die Sechs der Münzen beschäftigt sich mit Geben und Nehmen.
Vielleicht bist du gerade diejenige, die anderen hilft. Vielleicht bist du selbst auf Unterstützung angewiesen.
Die Karte kann Grosszügigkeit, Austausch und das Teilen von Ressourcen symbolisieren. Gleichzeitig kann sie auch die Frage nach einem Ungleichgewicht stellen. Wer gibt? Wer bekommt? Und wer entscheidet darüber?
Denn Geben und Nehmen sind nicht immer automatisch gleichberechtigt. Manchmal kann Hilfe wunderbar sein.
Manchmal kann sie aber auch ein Gefühl von Abhängigkeit oder Verpflichtung erzeugen.
Die Sechs der Münzen lädt deshalb dazu ein, genauer hinzusehen.
Sieben der Münzen
Jetzt kommen wir zu einer meiner Lieblingsideen innerhalb der Münzen…Warten. (Wer liebt es nicht geduldig zu sein?!)
Die Sieben der Münzen zeigt jemanden, der bereits Arbeit investiert hat und nun innehält, um zu schauen, ob sich diese Arbeit tatsächlich auszahlt.
Vielleicht hast du schon lange an etwas gearbeitet. Und jetzt fragst du dich: «Lohnt sich das überhaupt?»
Das ist eine wichtige Frage. Denn Geduld bedeutet nicht, stur an etwas festzuhalten, das offensichtlich nicht funktioniert.
Aber genauso wenig bedeutet ein langsames Ergebnis automatisch, dass du gescheitert bist.
Manchmal ist die Ernte einfach noch nicht reif.
Acht der Münzen
Die Acht der Münzen ist die Karte der Übung.
Hier geht es darum, etwas immer wieder zu tun, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und sein Handwerk wirklich zu lernen.
Nicht besonders glamourös. Aber effektiv.
Du wirst schliesslich nicht gut in etwas, weil du einmal darüber nachgedacht hast. Du wirst gut darin, weil du es machst. Das Sprichwort «Übung macht den Meister» ist halt (leider) schon stimmig!
Die Acht der Münzen kann deshalb für Ausbildung, Arbeit, Training und konzentriertes Lernen stehen.
Und manchmal ist ihre Botschaft ziemlich einfach: «Mach weiter.» Oder auch, von nichts kommt nichts.
Neun der Münzen
Die Neun der Münzen zeigt eine Person, die sich etwas aufgebaut hat und nun die Früchte ihrer Arbeit geniessen kann. Sie wird mit Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, materieller Sicherheit und verdientem Wohlstand verbunden.
Dabei gefällt mir besonders, dass diese Karte nicht unbedingt von Reichtum im Sinne von «immer mehr» handelt.
Es geht vielmehr darum, etwas Eigenes geschaffen zu haben. Ein Leben, das funktioniert. Ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt. Eine Arbeit, die man beherrscht.
Die Möglichkeit, sich selbst etwas leisten zu können.
Und vielleicht auch einfach das schöne Gefühl: «Das habe ich mir selbst aufgebaut.»
Zehn der Münzen
Mit der Zehn der Münzen wird aus persönlichem Erfolg etwas, das über die eigene Person hinausgeht.
Diese Karte wird mit langfristiger Sicherheit, Familie, Erbe, Tradition und Vermächtnis verbunden.
Es kann um finanzielles Erbe gehen, aber auch um Werte, Wissen oder etwas, das wir an die nächste Generation weitergeben.
Was bleibt von dem, was wir aufgebaut haben?
Was geben wir anderen mit?
Und welche Art von Leben möchten wir eigentlich hinterlassen?
Die Zehn der Münzen ist deshalb nicht nur eine Karte über Geld.
Sie kann auch eine Karte darüber sein, was Bestand hat.
Die Hofkarten der Münzen
Bei den Hofkarten wird die Geschichte noch etwas persönlicher.
Bube, Ritter, Königin und König können Menschen darstellen. Sie können aber genauso bestimmte Eigenschaften oder Entwicklungsstufen beschreiben.
Page der Münzen
Der Bube der Münzen ist neugierig, lernbereit und praktisch orientiert.
Er kann für eine neue Ausbildung, eine berufliche Möglichkeit oder den Beginn eines Projekts stehen, bei dem man bereit ist, sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen.
Er weiss vielleicht noch nicht alles. Aber er ist bereit zu lernen.
Und manchmal ist genau das viel wichtiger.
Ritter der Münzen
Der Ritter der Münzen ist langsam. Sehr langsam.
Und ich meine das nicht einmal negativ. (Auch wenn ich persönlich immer möchte das alles zackig vorwärts geht!)
Er ist zuverlässig, geduldig und methodisch. Er macht seine Arbeit und bleibt dran, auch wenn es keine schnellen Ergebnisse gibt. Während andere Ritter im Tarot gerne losstürmen, sitzt dieser hier erst einmal auf seinem Pferd und schaut sich die Sache an.
Vielleicht etwas zu lange. Denn seine Schattenseite kann sein, dass Vorsicht in Stillstand übergeht.
Die Botschaft könnte deshalb sein: «Bleib dran, aber vergiss nicht, irgendwann auch loszugehen.»
Königin der Münzen
Die Königin der Münzen verbindet Fürsorge mit Bodenständigkeit.
Sie sorgt dafür, dass die praktischen Dinge funktionieren. Sie schafft ein Zuhause, kümmert sich um andere, achtet auf Ressourcen und weiss, dass Wohlbefinden auch etwas mit den ganz alltäglichen Dingen zu tun hat.
Für mich ist sie eine schöne Erinnerung daran, dass Selbstfürsorge nicht immer aus grossen Wellnessritualen bestehen muss.
Manchmal ist Selbstfürsorge auch einfach: «Ich gehe heute früh schlafen.»
König der Münzen
Der König der Münzen ist die gereifte Form dieser Energie.
Er steht für Stabilität, Erfolg, Erfahrung und den bewussten Umgang mit Ressourcen. Er kann eine Person darstellen, die sich über lange Zeit etwas aufgebaut hat und nun in der Lage ist, für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen.
Er ist der Unternehmer, der Handwerker, die erfahrene Geschäftsfrau, derjenige, der gelernt hat, wie man etwas aufbaut und erhält.
Aber auch hier gibt es eine Schattenseite. Materieller Erfolg alleine macht noch kein erfülltes Leben.
Wenn Geld, Besitz oder Status zum einzigen Massstab werden, kann das Leben irgendwann ziemlich leer werden.
Was bedeutet es, wenn viele Münzen in einer Legung erscheinen?
Wenn du mehrere Münzen in einer Legung ziehst, würde ich deshalb nicht automatisch denken: «Ah, Geld!»
Schau zuerst auf den Zusammenhang. Vielleicht geht es tatsächlich um Finanzen oder Arbeit. Vielleicht geht es aber um dein Zuhause.
Oder darum, dass du endlich etwas Konkretes tun musst, statt nur darüber nachzudenken.
Die Münzen sind nämlich sehr stark mit dem verbunden, was wir tatsächlich aufbauen und tun.
Wenn ich die gesamte Reihe der Münzen als Geschichte betrachte, sehe ich darin vor allem eines: Entwicklung.
Und vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen der Münzen:
Was du aufbauen möchtest, braucht nicht nur einen Wunsch. Es braucht Zeit, Aufmerksamkeit und deine Bereitschaft, immer wieder einen kleinen Schritt dafür zu tun.
Alles Liebe,
Ursula