Können Kinder ganz natürlich mit Tieren kommunizieren?

Auch wenn es mir vorkommt wie letzte Woche, war meine Tochter vor circa 30 Jahren sieben Jahre alt. Und absolut vernarrt in Katzen. So sehr, dass ich nach monatelangem Jammern und Betteln endlich eine Katze nach Hause brachte. Einen verrückten, orangenen Kater namens Yoschi. (Es waren die 90er und wir waren Nintendo bessessen!)

Was ich oft beobachtete, höre ich auch immer wieder von anderen Eltern: Ein Kind, das scheinbar genau weiss, was ein Tier braucht. Das mit ihm spricht, als würde es antworten. Oder das Dinge ausspricht, die erstaunlich treffend sind.

Und dann steht man da und fragt sich: «Bildet es sich das ein – oder ist da wirklich etwas?»

Kinder gehen anders in Verbindung

Wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich: Kinder haben einen Zugang, den viele von uns mit der Zeit verlieren.

Nicht, weil sie «mehr können».
Sondern weil sie weniger hinterfragen.

Kinder sind im Moment. Sie analysieren nicht ständig, ob etwas logisch ist oder erklärbar. Sie spüren, reagieren und vertrauen dem, was sie wahrnehmen.

Genau das ist auch die Basis von Tierkommunikation.

Denn diese Form der Verbindung funktioniert nicht über Worte, sondern über Bilder, Gefühle oder ein plötzliches «Wissen».

Und Kinder bewegen sich ganz selbstverständlich in dieser Art von Wahrnehmung.

«Sie reden einfach mit ihnen»

Viele Kinder sprechen mit Tieren, als wäre es das Normalste der Welt.

Sie erzählen ihnen Dinge.
Sie stellen Fragen.
Und manchmal antworten sie sogar selbst darauf – aus Sicht des Tieres.

Als Erwachsene neigen wir dazu, das als Fantasie abzutun.

Aber wenn man genauer hinschaut, merkt man: Es geht oft weniger um Fantasie, sondern um Verbindung.

Kinder versuchen nicht, «richtig» zu kommunizieren. Sie tun es einfach.

Intuition ist nichts Aussergewöhnliches

Ein Gedanke, den ich immer wieder spannend finde:

Viele Ansätze gehen davon aus, dass intuitive Kommunikation etwas ist, das wir nicht erst lernen müssen – sondern etwas, das wir als Kinder ganz natürlich mitbringen. Auch Tiere selbst kommunizieren auf diese Weise miteinander. Für sie ist das nichts Besonderes, sondern Alltag. Und wenn man das zusammennimmt, wird es plötzlich sehr logisch:

Kinder und Tiere begegnen sich oft auf einer ähnlichen Ebene.
Direkt. Ungefiltert. Ohne viele Zweifel.

Warum wir es «verlieren»

Mit der Zeit verändert sich das.

Wir lernen, dass nicht alles «real» ist.
Dass wir Dinge beweisen müssen.
Dass wir uns auf das verlassen sollen, was sichtbar und erklärbar ist.

Und ganz langsam tritt diese intuitive Ebene in den Hintergrund.

Nicht, weil sie verschwindet.
Sondern weil wir aufhören, ihr zu vertrauen.

Beobachten statt bewerten

Wenn du ein Kind hast oder Kinder in deinem Umfeld beobachtest, lohnt es sich manchmal, einfach hinzuschauen, ohne sofort zu beurteilen.

Nicht alles muss erklärt werden.

Vielleicht sitzt ein Kind ruhig neben einem Tier und «weiss» plötzlich, dass es müde ist.
Vielleicht spürt es, wenn etwas nicht stimmt.
Oder es hat eine ganz natürliche Selbstverständlichkeit im Umgang mit Tieren, die uns Erwachsenen manchmal fehlt.

Das heisst nicht automatisch, dass es bewusst Tierkommunikation betreibt.

Aber es zeigt, dass Verbindung auf vielen Ebenen stattfinden kann.

Können Erwachsene das auch?

Eine Frage, die fast immer folgt, ist:

«Und kann man das wieder lernen?»

Ich würde sagen: Es ist weniger ein Lernen, mehr ein Erinnern.

Ein Zurückkommen zu etwas, das wir vielleicht lange ignoriert haben.

Ein bisschen mehr Ruhe.
Ein bisschen weniger Kopf.
Und die Bereitschaft, nicht alles sofort erklären zu müssen.

Zum Schluss

Vielleicht geht es gar nicht darum, ob Kinder «wirklich» mit Tieren kommunizieren.

Vielleicht geht es darum, was wir darin erkennen können.

Eine Offenheit.
Ein Vertrauen.
Eine Art, in Verbindung zu gehen, ohne ständig zu zweifeln.

Und vielleicht dürfen wir uns diese kindliche Leichtigkeit etwas zurückholen. Ob jetzt in der Tierkommunikation oder im allgemeinen Leben.

Alles Liebe
Ursula

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